Mephisto's Rache oder: ohne Verzicht geht es nicht!         

von Ulrich Gläser erschienen in Hagia Chora 3435/2010.

Durch Erdwärmebohrungen ausgelöst, hebt sich der Erdboden im Stadtzentrum von Staufen, die Häuser reißen. Die Bohrung erfolgte dort, wo sich der Faust-Legende nach der Eingang zur Hölle befindet. Grund für den Baubiologen und Rutengänger Ulrich Gläser, dem Pakt mit dem ­Teufel und den geomantischen Gegebenheiten nachzuspüren.

Faust-Stadt Staufen“, so liest man am Ortseingang. Im romantischen Städtchen am Fuß des südlichen Schwarzwalds reißen die Häuser auseinander, die meisten von oben nach unten. Über 200 zum Teil mittelalterliche Altstadthäuser sind betroffen. Warum? Nach Erdwärmebohrungen im Jahr 2007 begann sich der Erdboden im Stadtzentrum zu heben. Er wölbt sich konstant Monat um Monat um etwa einen Zentimeter nach oben, insgesamt bald zwanzig Zentimeter! Am härtesten betroffen ist das städtische Bauamt. Der Spalt in der Außenwand zwischen zwei Gebäudeteilen ist jetzt notdürftig verschlossen. Als die Breite von zehn Zentimetern überschritten war, flogen die ersten Vögel hindurch. Seit dem 15. Oktober 2009 ist es amtlich: Der erste Abriss eines Hauses infolge Schädigung durch die Erdwärmebohrung ist unvermeidlich.  

Hier in Staufen, wo der Schwarzwald scheinbar nahtlos in das Oberrheintal übergeht, hat der historische Dr. Johann Georg Faustus tatsächlich gelebt. Nachdem die Silberminen im nahen Münstertal erschöpft waren, wollte Freiherr Anton von Staufen auf andere Weise an Edel­metall kommen. Und so heuerte er den berühmten Alchemisten an, um Gold herzustellen. Faustus wohnte damals in einem Gasthaus im Ortskern und hatte dort in einem Nebenraum sein Labor. Ist es wirklich nur Zufall, dass das Gasthaus den Namen „Zum Löwen“ trug und ihn bis heute trägt? Ist es auch reiner Zufall, dass dieses Gasthaus „Zum Löwen“ rot verputzt war und ist? Der rote Löwe ist schließlich seit jeher ein Symbol für alchemistisch hergestelltes Gold.  

 

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